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Wie geht es unseren Partnern in Südamerika?

von Fine Voigt, veröffentlicht am 26.03.2020

Rund um die Uhr kriegen wir aktuelle Infos zur Corona-Krise in den europäischen Ländern. Aber was ist eigentlich in Südamerika los, wo unsere wertvollen Zutaten herkommen? Wir stehen mit unseren Partnern in Peru und Brasilien in Kontakt und wollen gern schildern, was sie uns berichten. Außerdem gibt unser Gründer Daniel ein paar Einblicke aus seinem Heimatland Kolumbien.

BRASILIEN
In Brasilien tauschen wir uns mit der Kooperative Agrofrut aus. Dort arbeitet zum Beispiel Clicia, die wir an einigen Stellen schon als unsere Guaranakönigin vorgestellt haben. Sie erzählt uns, dass sie sich als Mutter besondere Sorgen um ihren Sohn Jorge macht. Außerdem hat sie eine Schwester die für eine chinesische Firma in Manaus arbeitet. Von ihr bekommt sie Tipps zum Schutz vor dem Virus, aber leider können sie sich jetzt nun längere Zeit nicht persönlich treffen, was beide sehr traurig stimmt. Finanzleiter Matheus sagt, “alles hier ist angehalten, die Stadt steht unter Schock”. Die Menschen sind kaum noch auf der Straße und alle sind in Sorge. Clicia, Matheus und der Präsident von Agrofrut, Antonio, berichten von den einschneidenden Maßnahmen, die bereits getroffen wurden: abgesagte Veranstaltungen, geschlossene Schulen, eingeschränkter Personen(schiff)verkehr, eingeschränkter Bankservice, Aufhebung vieler öffentlicher und privater Dienste, … Bisher arbeiten die Produzenten und Bauern weiter, vermeiden jeden persönlichen Kundenkontakt und folgen den Empfehlungen der WHO zum Schutz. Antonio gibt Hoffnung, denn der Bürgermeister hat ein Komitee zur Prävention einberufen, um Maßnahmen im Kampf mit der Krise umzusetzen. Hoffentlich können alle bald aufatmen und Clicia ihre Schwester wieder in die Arme nehmen.

PERU
Unsere Partner in Peru sorgen sich sehr wegen des Virus, aber auch um den Kakaomarkt. Deciderio ist Produzent von Bio-Kakao der Kooperative Oro Verde und sagt selbst, dass der beste Markt für sie, der faire Handel ist. Sie hoffen weiterhin sehr auf die Unterstützung der Kunden. Es ist für sie lebenswichtig, dass wir auch in Krisenzeiten die Wichtigkeit und Qualität von fair gehandelten Gütern wertschätzen und diese Produkte entsprechend weiterhin kaufen.
Seine Kollegin Marie-Luz berichtet von einer Insektenplage, die sie seit letztem Jahr auf der Plantage und auch jetzt trotz Quarantäne bekämpfen müssen. Daher arbeiten sie alle fleißig weiter. Sie weiß, dass die Corona-Krise alle Menschen traurig macht und empfiehlt daher, weiterhin viel Schokolade und Kakao zu essen - denn das macht schließlich glücklich!

KOLUMBIEN
Anfang März gab es den ersten bestätigten Corona-Fall in Kolumbien: eine junge Frau, die aus Italien zurückkam. Daniels Vater kehrte mittendrin auch aus Europa zurück, denn er besuchte seinen Sohn hier in Berlin. Mit Mundschutz flog er zurück nach Bogotá, der Hauptstadt Kolumbiens, und dann direkt in eigenständige Heimquarantäne. Er ist wohlauf und symptomfrei - zum Glück, denn als Arzt und Spezialist für Epidemiologie wird er gebraucht. Daniels Familie lebt in einem für Kolumbien typischen Mehrgenerationenhaushalt, was in der aktuellen Situation besonders kritisch für seine Großmutter und seinen behinderten Bruder ist. Zu viert überstehen sie die Krise in einer 80 Quadratmeter-Wohnung - was für deutsche Verhältnisse klein scheint ist für Bogotá jedoch groß.

Bogotá ist im Landesschnitt verhältnismäßig wohlhabend. Trotzdem sind öffentliche Verkehrsmittel (Busse) und die medizinische Versorgung mit 10 Millionen Einwohnern auch ohne eine Epidemie schon komplett überlastet. Die Ausbreitung des Virus auf die Dörfer muss weitgehend verhindert werden, denn dort träfe ihn die Menschen noch härter. Das nächste Krankenhaus ist viele Kilometer entfernt und schlecht ausgestattet. Ernsthafte Existenzängste ziehen ihre Kreise in einem Land, in dem der Staat bei Verdienstausfällen kaum unterstützen kann. Daher begrüßt die von Kriegen und Krisen geprägte Bevölkerung die verordnete Ausgangssperre des Präsidenten.

WELTWEITE SOLIDARITÄT
Die Corona-Krise zeigt uns ganz deutlich wie stark wir global vernetzt sind und wie der Flügelschlag eines Schmetterlings auf der einen Seite des Erdballs etwas auf der anderen Seite auslöst. Fairtrade Deutschland appelliert daher mit deutlichen Worten zu weltweiter Solidarität. Dieter Overath, Vorstandsvorsitzender Transfair e.V., erklärt dazu:

„Wir können die Coronakrise bewältigen, wenn wir körperlich Abstand halten, aber im Geiste als Gesellschaft zusammen stehen. In der aktuellen Krise ist von uns allen Solidarität gefragt. Dafür steht der faire Handel. Wir alle können und sollten uns in unserem Alltagshandeln solidarisch zeigen, indem wir uns und andere schützen und wo Hilfe notwendig ist unterstützen. Das gilt für die Menschen in unserem unmittelbaren Umkreis. Unsere Solidarität gilt aber auch den Menschen, die uns mit Produkten, wie Kaffee, Kakao, Bananen oder anderen Rohstoffen versorgen, und für die wir uns auch in dieser Krisenzeit einsetzen.“

Den kompletten Appell findest du hier: www.fairtrade-deutschland.de

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